meier Magazin - März 2024 / 25. Jhg.

98 Immobilien Zukunft Altbau Neue Wärmepumpen: Bei Engpässen im Stromnetz darf künftig gedrosselt werden Verteilnetzbetreiber können bei steuerbaren Geräten seit diesem Jahr den Stromverbrauch einschränken Zukunft Altbau: Eingriffe werden nicht wahrnehmbar sein In deutschen Haushalten werden immer mehrWärmepumpen ein- gebaut. Hinzu kommen noch etliche Elektroautos. Das könnte die Belastung der Stromnetze vor Ort anmanchenTagen im Jahr über Gebühr belasten. Aus diesem Grund dürfen Verteilnetzbetreiber seit Januar 2024 den Strombezug bei neuen, steuerbaren Wärmepumpen und Ladesäulen in zwin- genden Ausnahmen zeitweise drosseln. Mit den Eingriffen sollen Engpässe im Verteilnetz minimiert werden. Darauf weist das vom UmweltministeriumBaden-Württemberg geförderte Informations- programm Zukunft Altbau hin. Eine vollständige Abschaltung der Geräte ist nicht erlaubt, aber eine temporäre Reduzierung der elektrischen Anschlussleistung auf bis zu 4,2 Kilowatt. Die Grund- versorgung von Wärmepumpen und Ladesäulen bleibt so sicher- gestellt. Im Gegenzug für die mögliche Leistungsreduzierung erhalten die Betreiber von Wärmepumpen und Ladesäulen eine Entschädigung vomNetzbetreiber. Auch dürfen die Netzbetreiber den Anschluss der Anlagen dann nicht mehr verweigern. Fragen beantwortet das Team von Zukunft Altbau kostenfrei am Beratungstelefon unter 08000 12 33 33 (Montag bis Freitag von 9 bis 13 Uhr) oder per E-Mail an beratungstelefon@zukunftaltbau.de Ein Grund für das Engpassmanagement: Die Niederspannungsnetze in Deutschland sind derzeit nicht für Millionen zusätzliche Wärme- pumpen und E-Autos gerüstet. Bei Wärmepumpen soll der Bestand nach demWillen der Bundesregierung von derzeit rund 1,9 Millionen auf sechs Millionen im Jahr 2030 wachsen und so in deutschen Immobilien klimafreundlich Raumwärme undWarmwasser erzeugen. Auch die Zahl der E-Autos soll steigen: Von aktuell rund 2,4 Millionen auf 15 Millionen Ende des Jahrzehnts. Damit Autos wie Wärmepumpen problemlos geladen werden können, müssen die Verteilnetzbetreiber in den nächsten Jahren die Stromnetze auf den letzten Kilometern zu den Wohnhäusern massiv ausbauen. Gesetzliche Grundlage ist das EnWG Da dies noch nicht so weit ist, sind zeitlich befristete Eingriffe in Ausnahmefällen seit Jahresbeginn erlaubt. Festgelegt ist dies im Paragraf 14 a des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG). Details dazu legte die Bundes- netzagentur Ende November 2023 vor. Mit der Maßnahme sollen Stromausfälle aufgrund von Überlastungen örtlicher Leitungen vermieden werden. Betroffen von der Neuregelung sind nur neue steuerbare Wärmepumpen und Ladestationen. Die Neure- gelung gilt nicht für andere elektrische Geräte im Haus wie Kühlschrank, Fernseher oder Waschmaschine. Auch bestehende Wärmepumpen, ob steuerbar oder nicht, fallen nicht unter die möglichen Eingriffe. Wer möchte, kann aber freiwillig mitmachen. Merken werden die Bewohnerinnen und Bewohner praktisch nichts Insbesondere bei Wärmepumpen werden sich die Eingriffe nicht bemerkbar machen. Den Grund nennt Frank Hettler von Zukunft Altbau: „Die maximale elektrische Anschlussleistung einer Wärmepumpe in einem Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern liegt je nach energetischem Standard bei bis zu zehn Kilowatt. Reduziert sich die Leistung für zwei Stunden auf 4,2 Kilowatt, ändert sich dadurch an den allermeisten Tagen im Jahr nichts an der Raumtemperatur imHaus. Und auch an besonders kalten Tagen, an denen die maximale Leistung nötig ist, ist der mögliche Drosselungszeitraum viel zu kurz, um ein Haus auskühlen zu lassen. Verbraucherinnen und Verbraucher werden von einem Eingriff kaum etwas mitbekommen.“ 8

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